My first TakeDown Notice – der Ballester!

Ich falle ja nicht gerade durch große Begeisterung für Sport und speziell nicht für Fußball auf. Wie ich auf Twitter aber schon einige Male geschrieben habe, hat es ein Fußballmagazin tatsächlich geschafft mich gelegentlich für Sport und im speziellen Fußball zu interessieren: „DerBallesterer„. Als ich vor einigen Jahren die „Ultras“ Ausgabe des Ballesterer über verschlungene Wege in Händen hielt, begann ich ein klein wenig zu verstehen, warum Leute sich für Fußball interessieren und ich fing an den Ballesterer zu schätzen.

Der Ballesterer schafft es wirklich toll, Sport mit Geschichte und Politik zu verknüpfen. Jahre später hab ich mir wieder mal einen Ballesterer gekauft und fand den Artikel über die Meidlinger Viktoria interessant und sympathisch.

Naja, soweit sogut. Heute kommt vom Ballester Account auf Twitter folgende an mich gerichtete „take down notice“:

Wir freuen uns, dass dir der Artikel gefällt. Bitte entferne ihn von scribd. Du verletzt Urheberrechte unserer Autoren/Fotografen.“ 

Nach kurzer Zwischen-Unterhaltung mit Niko Ostermann wurde das Anliegen nochmal etwas konkretisiert:

„@porrporr Sollten wir keine Antwort bekommen, melden wir die Verletzung bei scribd. Das würden wir uns und dir gerne ersparen.“


twitter konversation ballesterer

Ich war ziemlich verwundert. Ich habe in den letzten Jahren beinahe 200 Artikel, Broschüren und auch ganze Bücher bei Scribd hochgeladen: http://de.scribd.com/porrporr. Insgesamt haben die Uploads derzeit 164.000 Views. Bei umfangreicheren Sachen frage ich auch Mal die Macher_innen von Zeitschriften oder Autor_innen, ob es okay ist ihre Sachen online zu stellen. Bei größeren Zeitungen / Zeitschriften mache ich das für gewöhnlich nicht. Beim Ballesterer habe ich es auch nicht getan. Was mich hier verwundert ist aber, dass sich ein relativ kleines Magazin als erstes (und bisher einziges Medium) an mich wendet und darum bittet den Scan eines ihrer Artikel offline zu nehmen.

Ist jetzt natürlich nur eine Annahme, aber ich bin immer davon ausgegangen, dass den meisten Zeitungen und Magazinen klar ist, dass das Veröffentlichen einzelner Artikel eher eine Werbung für das Medium darstellt als eine Gefahr für Abo, Verkäufe oder Anzeigenverkäufe. Muss ich jetzt Links zu Studien zusammensuchen die untermauern, dass Filesharing bei vielen verschiedenen Medienformaten eher dazu führt, dass Leute Interesse an neuen Sachen bekommen? Kann ich noch nachreichen wenn gewünscht.

screenshot scribd

Meine Annahme im Bezug auf den Ballesterer Artikel ist es, dass das veröffentlichen durch mich mehr positive Effekte für das Magazin bringt als negative. Nichts destotrotz respektiere ich den Wunsch der Redaktion und werde den Artikel löschen. Vorher würde ich aber gern noch Reaktionen und etwaige Diskussionen dazu abwarten. Wenn es dem Ballesterer zu langsam ist, können sie ja immer noch bei Scribd die Löschung veranlassen und vielleicht auch gleich die 193 restlichen Dokumente mitlöschen, falls mein Account gelöscht wird.

Meine Fragen an die Ballesterer Redaktion

Glaubt ihr wirklich der Artikel über die Meidlinger Viktoria auf Scribd hat negative Auswirkungen auf euer Magazin / Abo Verkäufe / Einzelverkäufe?
Wollen die Autoren/Fotografen dieses Artikels, dass der Artikel gelöscht wird oder ist es eine Entscheidung der Redaktion / der Person, die Twitter bedient?
Glaubt ihr nicht auch, es wäre möglich, dass meine nicht sehr fußballafine Timeline dadurch Interesse an eurem Magazin bekommt und es zu neuen Leser_innen führt?
Ich habe noch einen Link zu eurer Aboseite angebracht und entdeckt, dass die Auflösung des Artikels so schlecht ist, dass er kaum lesbar ist. Ist das jetzt etwas positives oder negatives für euch?
Kann es nicht auch als Anerkennung eurer Arbeit gesehen werden, wenn jemand sich die Arbeit antut, einen Artikel einzuscannen, online zu stellen und ihn zu bewerben?

Würde mich freuen wenn wir eine andere Lösung abseits der Löschung finden könnten. Dann könnte ich auch eine besser auflösende Version online stellen ;-)
Danke für einige interessante Artikel!

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6 Kommentare

  1. urheber-fuzzi
    Am 28. November 2012 um 1:36 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    @ballesterer
    Ich nehme an, dass eure Autor_innen, wie die meisten anderen Journalist_innen, Mitglied der Literar-Mechana, also der für sie zuständigen Verwertungsgesellschaft, sind. Selbige gilt den Urheber_innen die etwaige Reproduktion ihrer Texte im Netz jährlich pauschal ab (und das völlig unabhängig davon, ob sich die Texte tatsächlich im Internet finden).

    Insofern ist eure Argumentation, wonach der TakeDown im Interesse der Urheber_innen erfolgt sei, reichlich abenteuerlich und wenig überzeugend. Zumal Clemens Zavarsky, Co-Autor des betreffenden Textes, ohnehin für die Kronen Zeitung arbeitet und mutmaßlich nicht am Hungertuch nagt.

    Warum es zwischen einem angeblich antirassistischen, betont kritischem Fußballmagazin und einem rassistischen und antisemitischen Hetzblatt wie der „Krone“ personelle Überschneidungen gibt, wäre überhaupt ein spannendes Thema. Auf jeden Fall spannender als Urheberrechtsscharmützel mit Leuten, die für euer Magazin (unentgeltlich!) Werbung machen.

  2. Am 28. November 2012 um 1:00 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lieber @porrporr,

    nein, wir glauben nicht, dass ein einzelner eingescannter Artikel unseren Verkäufen schadet. Wir wollen aber nicht, dass Zug um Zug das ganze Heft, abseits unserer Seite online verfügbar wird. Irgendwo müssen wir beginnen. Wir finanzieren uns anders als die meisten anderen Medien überwiegend aus Verkaufserlösen, nicht aus Werbeeinnahmen. Ein gar nicht so geringer Teil davon sind auch Einzelbestellungen alter Hefte.

    Wir sehen dein Interesse durchaus als Anerkennung. Das haben wir auch in dem ersten tweet geschrieben. Mehr hätte uns gefreut, wenn du vor der Veröffentlichung mit uns Kontakt aufgenommen hättest. Dann hätten wir die Frage mit den Autoren und Fotografen klären können. Wir haben nämlich nicht so weit gehende Verwertungsrechte an den Artikeln, dass wir das als ballesterer entscheiden können. Die Urheberrechte liegen immer bei den Autoren und Fotografen und sind mit ihnen zu verhandeln. Es ist uns aus Respekt an den Leistungen der Urheber wichtig, dass Veröffentlichungen mit ihnen geklärt werden. In einem Artikel wie dem zur Viktoria stecken ungeschaut 6-7 Tage Arbeit von Autoren, Redakteuren, Layout, Fotografen, Bildbearbeitern, etc. – und das teilweise nur aus Leidenschaft und unbezahlt. Es stößt uns einfach sauer auf, wenn selbstverständlich angenommen wird, sich dieser Arbeit bedienen zu können, ohne mit den Betroffenen geredet zu haben.

    Außerdem glauben wir, dass die Art unserer Kommunikation durchaus fair war und wir eine Lösung finden werden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    dein ballesterer

    • Am 28. November 2012 um 10:28 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich verstehe eure Verstimmung und ja es wäre die elegantere Variante gewesen vorher bei euch anzufragen. Sorry zu spät. Hättet ihr denn dann das okay fürs online stellen gegeben?

      Vielleicht gehe ich immer zu sehr von meiner eigenen Einstellung aus, wenn ich unbezahlt Artikel schreibe freue ich mich wenn die möglichst weite Verbreitung finden. In verschiedenen Aggregatzuständen und bei verschiedenen Medien wiederveröffentlicht werden.

      Sagt einfach bescheid wenn euer Nachdenkprozess abgeschlossen ist dann mache ich was ihr euch wünscht..

      Danke für die Diskussion, dass ist bei österreichischen Medien ja nicht selbstverständlich!

      lg
      @porrporr

      • Am 29. November 2012 um 2:47 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

        Lieber @porrporr,

        hättest du bei uns angefragt, hätten wir dich auf den Artikel http://www.ballesterer.at/heft/weitere-artikel/geht-net-gibts-net.html verwiesen. Das ist ein Anriss des Artikels. Hättest du uns gesagt, dass du den ganzen Artikel so interessant findest, dass du ihn teilen willst, hätten wir den gesamten Artikel online gestellt. Eine Veröffentlichung des Scans hätten wir abgelehnt, weil wir a) die gestaltete und mit Fotos angereicherte Seite ausschließlich unseren zahlenden Leserinnen und Lesern vorbehalten wollen und b) dafür eben die Rechte mit den beiden Autoren und dem Fotografen abklären hätten müssen.

        Das mit der Freude an Veröffentlichungen ist so eine Sache. Natürlich freut sich jeder über Aufmerksamkeit, gleichzeitig ärgern sich unsere Leute – und das wissen wir, wenn sie nicht gefragt werden.

        Unser Vorschlag für den aktuellen Fall: Lassen wir den Artikel so wie er ist als Anschauungsbeispiel für die Diskussion auf scribd. Wir haben bei den beiden Autoren und dem Fotografen angefragt, ob das für sie OK ist und warten noch auf Rückmeldung. Falls wir das OK bekommen, informierst du deine Follower, dass das für dich OK ist und unterlässt in Zukunft unautorisierte Veröffentlichungen.

        Mit freundlichen Grüßen,
        dein ballesterer

      • Am 29. November 2012 um 9:54 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

        Alles klar. :-)

  3. Am 28. November 2012 um 2:18 am Uhr veröffentlicht | Permalink

    ballersterer ist großtartig, fein dass du so auch auf den geschmack von fußball kommst :)

    ..glaube eigentlich auch, dass dem ballesterer mehr geholfen wäre, wenn sie deinen scribd artikel stehen lassen würden..^^

    mfg

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