Medienaktivismus auf Demos/Aktionen


Dieser Text ist eine Gemeinschaftsproduktion von verschiedenen Medien Aktivist_innen!


Liebe Fotograf_innen und Kameraleute

Das Dokumentieren von Demonstrationen, Aktionen und Polizeirepression ist wichtig. Überlassen wir die Berichterstattung über Demonstrationen und Aktionen nicht der Polizeipressestelle und Mainstreammedien. Eigene Berichte auf selbst gewählten Kanälen und in eigenen Medien helfen uns, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, zu reflektieren und unsere Bewegungen weiter zu entwickeln. Mit unseren Interventionen in Mediendiskurse untergraben wir die Deutungshoheit der Behörden über die Geschehnisse auf der Straße. Das richtige Foto zur richtigen Zeit kann Polizeilügen aufdecken und Anklagen in sich zusammenbrechen lassen.

Eine Gefährdung von Demonstrant_innen müssen wir dabei aber freilich unter allen Umständen vermeiden.

Die Behörden sammeln Gesichter von Aktivist_innen, um sie zu identifizieren, Verbindungen zwischen Demonstrant_innen aufzudecken, kriminelle und terroristische Organisationen zu konstruieren, oder wozu sie sich sonst gerade veranlasst fühlen. Und auch Neonazis, FPÖ, Abtreibungsgegner_innen und Ähnliche haben Interesse an Bildern ihrer Gegner_innen, also von uns, zum Beispiel für Aufrufe zur Kriminalisierung oder zur Gewalt gegen Linke, Antifaschist_innen, Feministinnen, … Helfen wir ihnen nicht dabei!

Einmal gemachte Bilder vernichten sich nicht von selbst. Im Internet überdauern sie länger als den Abgebildeten oft lieb ist, selbst wenn es ihnen heute nichts ausmacht. Sie können noch Jahre später zu den ungünstigsten Zeitpunkten von Behörden, Neonazis, Arbeitgeber_innen gefunden und gegen die Abgebildeten verwendet werden.

Lasst uns verantwortungsvoll mit unseren Kameras umgehen.

Wenn du fotografierst oder filmst:

  • Überprüfe vor der Demo welche privaten Aufnahmen oder Aufnahmen von früheren Demos/Aktionen du auf deinem Gerät hast und lösche sie gründlich! Einfach gelöschte Daten sind leicht wieder herstellbar – deswegen unbedingt regelmäßig die Datenträger austauschen oder “wipen”!
  • Überlege dir vor der Demo, was und wofür du fotografierst/filmst. Willst du nur deine Privatsammlung aufpeppen, dann lass es bitte bleiben!
  • Sei dir bewusst, dass dir die Speichermedien abhanden kommen können, denk daran auch schon beim Filmen/Fotografieren. Überlege dir, wie du potentiell problematische Aufnahmen schnell aus der Reichweite der Behörden bekommst und nimm Ersatzkarten mit.
  • Bei “Straftaten” oder unklaren Situationen das Fotografieren und Filmen direkt und sofort einstellen! Die reißerische “Action-Cam” für die nächsten “geilen Mobivideos” braucht kein Mensch. Aber sie gefährdet Aktivist_innen!
  • Bei der Veröffentlichung von Bildern achte darauf, dass keine Leute mehr zu erkennen und zu identifizieren sind. Mache Gesichter unkenntlich, damit sie nicht zur Grundlage behördlicher Bedrohungskonstruktionen und nicht zur Illustration von Abschusslisten von Neonazis verwendet werden können.
  • Mache keine Portraitaufnahmen von Leuten.
  • Du trägst die Verantwortung dafür, dass die von dir gemachten Aufnahmen niemals in falsche Hände geraten! Verschlüssle daher Bilder, Filme, Speicherkarte und die Festplatte zuhause.
  • Frage Leute bevor du sie filmst oder fotografierst, ob sie damit einverstanden sind. Du gibst ihnen dadurch die Gelegenheit, selbst zu entscheiden und z.B. das schicke Transpi, welches unbedingt eine breite Öffentlichkeit sehen sollte, kameragerecht vors Gesicht zu halten. Damit hast du ein gutes Foto und auch die Gewissheit solidarische Medienarbeit zu machen. Wenn du ein “Nein” bekommst, dann akzeptiere es. Es gibt für viele gute Gründe – Arbeit, Eltern, Repression, usw. – warum sie nicht ihr Gesicht in irgendwelchen Medien sehen wollen.
  • Gib den Leuten die Möglichkeit, sich vor einer Aufnahme zu schützen. Mache keine versteckten Aufnahmen, sondern zeige allen deutlich, dass du fotografierst oder filmst, etwa indem du dir eine Jacke anziehst oder eine Tafel umhängst oder ein Fähnchen ansteckst, worauf deutlich “Fotograf_in”, “Vorsicht Kamera!”, “Doku-Team”, “Presse” oder Ähnliches steht.
  • Nicht alle, die du interviewst, sind geübt oder geschult im Umgang mit Medien. Unterbrich sie und stoppe die Aufnahme, wenn sie sich oder andere mit ihren Aussagen gefährden.
  • Bedenke insbesondere bei Live-Streams, dass das, was du sendest, von Behörden und gewalttätigen Gegner_innen gespeichert und verwendet wird, ohne dass du die Möglichkeit hast, heikle Szenen rauszuschneiden.
  • Schwenke die Kamera notfalls nach unten, bedenke aber, dass Personen auch anhand ihrer Kleidung und Schuhe identifiziert werden können.
  • Wenn du Aufnahmen gemacht hast, die für ein polizeiliches oder gerichtliches Verfahren von Bedeutung sein können, mit denen z.B. polizeiliche Vorwürfe gegen eine oder mehrere Personen entkräftet werden können, veröffentliche diese nicht, sondern lasse sie auf sicheren Wegen der Rechtshilfe zukommen, damit sich die Polizist_innen ihre Aussagen nicht in Kenntnis der Aufnahmen zurechtbiegen können.

Liebe Twitterant_innen, Facebooker_innen, SMS-Schreiber_innen

Neue Medien erlauben, rasch Information über Geschehnisse auf Demonstrationen nach außen zu bringen, um das Meinungsklima über die Proteste zu beeinflussen oder um solidarische Personen zu mobilisieren oder auch um innerhalb der Demonstration zu kommunizieren.

Bitte bedenke aber, dass alle diese Meldungen nicht intern bleiben. Überlege, was du wie weitergibst. Für die Weitergabe geheimer Treffpunkte eignen sich diese Medien nicht.
Wenn du Informationen über solche Kanäle bekommst, versuche die Vertrauenswürdigkeit deiner Quelle einzuschätzen. Gerade bei Großdemonstrationen kommt es immer wieder zu Falschinformationen, die lanciert werden, um Verwirrung zu stiften.
Wenn du wichtige gesicherte Informationen erhalten hast, gib sie auch an andere Demonstrant_innen weiter. Kommunikation funktioniert auch mündlich, ohne Smartphone, bisweilen sogar schneller und verlässlicher.

Liebe Bloger_innen, Ticker_innen, Berichteschreiber_innen

Berichterstattung, Kommentare, Nacherzählungen sind ein wichtiger Bestandteil von Protesten und Aktionen. Sie bieten die Möglichkeit – unabhängig von Mainstream-Medien und APA-Meldungen – Gegenöffentlichkeit herzustellen, und für kommende Aktionen auch Reflexionsprozesse unterstützt. Wie bei anderen Medienformaten gilt es aber auch hier mitzudenken! Repressionsbehörden lesen mit! Veröffentlicht keine Namen von Personen. So wie Fotos können natürlich auch Namen in Berichten unangenehmen Folgen für die Betroffenen haben. Stellt keine wilden Spekulationen an, streut keine Gerüchte sondern, wenn sie unbedingt sein müssen, kennzeichnet diese klar als solche, veröffentlicht keine Interna! Achtet auch auf eure eigene Sicherheit und veröffentlicht im Zweifelsfall die Berichte anonym.

Erstunterzeichner_innen:

at.indymedia at.indymedia.org
n3tw0rk www.n3tw0rk.org
@porrporr / noborders.noblogs.org
nochrichten.net nochrichten.net
NOWKR-Sondersendungsredaktion bei ORANGE 94.0
Rosa Antifa Wien www.raw.at
ZIP-FM-Lokalredaktion bei ORANGE 94.0 

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12 Kommentare

  1. Am 25. Januar 2012 um 3:19 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    nachdem ich gelesen habe, daß sich lt. maoamjetzt der leitfaden an medienaktivistInnen richtet und nicht an journalistInnen muß ich nicht eigentlich nicht weiter dazu stellung nehmen weil ich zu den journalistInnen zähle. damit sehe ich mich an keine der oben angeführten regeln (auch nur im geringsten) gebunden.

    im zweifelfall ist es mir lieber zu den „sensationsgeilen“ medienvertretern gezählt zu werden, anstatt mich defacto-(selbst)zensur zu unterwerfen die bis ins private reicht.

    • Am 25. Januar 2012 um 3:56 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

      Es ist grundsätzlich niemand an irgendwas gebunden. Das sind Anregungen, Diskussionspunkte, Punkte die einigen Leuten wichtig erscheinen, die eine Diskussion unter Leuten in diesem Bereich auslösen könnten / sollten…

      • Am 26. Januar 2012 um 8:54 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

        nachdem ich mir gerade bei einer mini-solidaritäts-demo von zwei leuten anhören dufte, daß ich ein arschloch wäre, wenn ich zu fotografieren würde, auf diesem weg eine antwort: das geht bei mir bei einem ohr rein und beim anderen raus. müßt mich das nächste mal gar nicht ansprechen.

      • kku
        Am 26. Januar 2012 um 10:59 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

        Du bist ein Journalist. So weit so gut. Du verhällst dich extrem unsolidarisch AktivistInnen gegenüber. Auch gut. Es ist dein Job und du verdienst dein Geld damit. Ich verstehe nur nicht warum du Privilegien bekommst wie wenn du ein Teil der linken Szene wärst.
        Ich bin der Meinung du sollltest den Trennstrich zwischen Aktivist und Journalist besser herausarbeiten. Also nicht auf Plena gehen. An internen Veranstaltungen teilnehmen usw,…
        AktivistInnen empfehle ich für Martin Juen die selben Prinzipien anzuwenden wie für allen anderen JournalistInnen, PolizistInnen, VertreterInnen der Stadt usw,…Ka Hawara!

  2. maoamjetzt
    Am 25. Januar 2012 um 1:22 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    Der Leitfaden ist sehr gut und richtet sich an Medienaktivist_Innen nicht an Journalist_Innen.

    Es gibt viele verschiedene Wege Protest und Widerstand auf die Strasse zu tragen, manche davon sind stragesetzlich relevant. Doch ist das unser Maßstab? Recht soll Recht bleiben?

    Wenn das so wäre, dann ist der ganze Protest illegitim. Jede Abschiebung ist rechtens. Schlagstockeinsatz notwendige Gewaltausübung und so weiter.

    Es braucht alles! Es braucht die aktive Zivilgesellschaft. Es braucht Menschen die skandalisieren. Und es braucht Menschen die mit radikaleren Mitteln Druck aufbauen… usw. Alle diese Protestformen sind legitim! Es ist legitim sich gegen Schlägerhorden in Uniform zu wehren, es bleiben nämlich Schlägerhorden! Polizisten morden, schieben ab und foltern! Der Kapitalismus zeigt immer deutlicher seine gewalttätige Fratze, die Gewalt ist system immanent. Sich gegen diese zu wehren ist legitim.

    Wenn also ein solidarischer Mensch eine strafbare Handlung dokumentiert, dann bitte umsichtig mit dem Material umgehen. Siehe Leitfaden.

    Big Up!

  3. Am 25. Januar 2012 um 12:52 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    danke für den „leitfaden“, das meiste unterschreib ich zu 100%. ein bisschen problematisch wirds bei punkt 4. heisst das also konsequent (und überspitzt) weitergedacht „wenn jemand oder in letzter konsequenz mein freund amok läuft hab ich besser nix gesehen?“
    ich weisz wie es gemeint ist, nur: als journalist schliesse ich nicht die augen „weil“ es wem anderen (oder mir) nicht ins weltbild passt oder eine straftat ist (ohne anführungszeichen). insofern möcht ich an die eigenverantwortung von jeder/jedem einzelnen appellieren.

    konsequentes und verantwortungsvolles handeln beim medienmachen & verbreiten sollte als einzige maxime reichen, kombiniert mit einem gesunden menschenverstand.

    deswegen find ich die punkte bez. praktischem verantwortungsvollem datenumgang sehr gut. die abgrenzung vom verantwortungsvollen leben weniger ;-)

    btw, obwohl ich viel auf http://ichmachpolitik.at mach bin ich nicht ichmachpolitik und kann insofern auch nicht für alle sprechen die dort videos hochladen. (weil das kann ja jede/jeder die/der sich einen account macht) geschweige denn das hier „signen“..

    lg,sc

    ps: daniels ausführungen zur (medien)kompetenz auf staats-seite ist nix hinzuzufügen..

    • Am 25. Januar 2012 um 1:05 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

      Habt ihr nicht auch irgendwelche Richtlinien wo die Grenzen für euer Projekt sind. Also was nicht oben stehen bleibt ? (Bei der Hilfe Sektion finde ich keine Links, FAQ ?)

      Ich denke solche Überlegungen/ Anregungen wie oben formuliert können ja in Medienprojekten diskutiert werden, vielleicht auch abgewandelt werden für den eigenen Einsatz. Als Richtlinien / Anregungen whatever den User_innen / Uploader_innen zugänglich gemacht werden.

      Weil sich komplett aus der Verantwortung zu nehmen geht halt auch nicht. Wenn ich ein Medium wie imp online stelle ist damit eine bestimmte Verantwortung verbunden für die Inhalt. Sonst kann so ein Projekt ja auch kippen und das Gegenteil erreichen was die ursprüngliche Intention war, oder ?

      • Am 25. Januar 2012 um 1:51 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

        in short:

        es gibt einen klaren antirassistischen grundkonsens, darüber hinaus werden wir nicht die videos unserer nutzer und medienmacher zensieren. (also solang keine privatperson gehasst, gedizzt, bedroht oder sonstwas wird bleiben die videos oben. > ist auf allen plattformen in etwa das gleiche, hier bei youtube nachzulesen: http://www.youtube.com/t/community_guidelines
        das hab ich mit „gesundem menschenverstand“ gemeint, aber verm. ist es besser alles genau auzuschreiben (weil gesund nicht gleich gesund ist ;-)…

        nicht ohne grund steht in der Maxime von IchMachPolitik „unparteiisch, unabhängig, frei“. wir sind absichtlich kein dezitiert „linkes“ projekt (wie indymedia zbsp.), wir glauben dasz diskurs eine gewisse breite braucht und insofern halt auch „konservative“ positionen. sie sind nämlich wichtig um diskurs divers zu führen, ohne sie bleibt man unter sich und klopft sich gegenseitig auf die schulter.

        jeder medienmacher ist selbst verantwortlich für das was er publiziert, genauso ist das auf http://ichmachpolitik.at

        unsere Intention war schon immer information zu verbreiten, damit die menschen daraus was machen können. was sie machen kann und will ich eher nicht steuern.

  4. Am 25. Januar 2012 um 1:16 am Uhr veröffentlicht | Permalink

    ja eh. Na ja. Wenn ich mich recht erinnere haben wir uns darüber eh´schon das Eine oder andere Mal (via twitter) ausgetauscht. Meine Gedanken zum weitreichenden Thema Weitergabe von Fotos, Selbstzensur und dem sogenannten Medienaktivismus habe ich bereits hier und einmal da zusammengefasst. Falls das noch interessiert…

    Grundsätzlich ist mir dieser „Leitfaden“ eh´klar und ich finde jede Aufforderung zur Selbstreflexion gerade wenn es um die Produktion von politischen Medieninhalten geht wichtig und gut. Bei wenigen Punkten im obenstehenden Text stößt es mir trotzdem leicht säuerlich auf. Wirklich nur ganz leicht.

    Bereits im 2. Absatz sollte nicht verheimlicht werden, dass mittlerweile auf so gut wie jeder Demo von der Polizei mitgefilmt wird. Nicht nur über den gut sichtbaren, und Demoteilnehmerinnen wohl bekannten, Übertragungswagen, sondern auch mit Handkameras von sowohl Uniformierten als auch zivilen Einsatzkräften. Jeder Demoteilnehmerin die, wie ich selbst, schon einmal wie aus dem nichts, vom unscheinbaren Typen hinter ihr, einen Kripoausweis unter die Nase gerieben bekommen hat weiß dass auf Demonstrationen immer wieder Beamte in zivil mitgehen, beobachten und gegebenenfalls aussagen. Bei einer solchen Zeugenaussage kann sich die Behörde die Arbeit sparen nach Beweisfotos zu suchen- sofern sie diese nicht selbst gemacht hat.

    ad. bei „Straftaten“: na ja. hmm. Muss ich mich jetzt als sogenannter Medienaktivist zum Komplizen machen. Schon klar dass ich jetzt nicht sensationsgeil Leute fotografiere die sich Schlägereien mit der WEGA leisten, Fensterscheiben einschlagen oder gar Steine werfen. So etwas will ich nicht sehen und auch nicht fotografieren auf einer Demonstration. Und genau das ist der Punkt. In der Aufzählung geht mir jegliche Distanzierung von Gewalttaten jeder Art ab. Viel wichtiger als die Aufforderung solche kriminellen Aktionen nicht zu dokumentieren wäre meines Erachtens der allgemeine Konsens solche nicht zu begehen, weil gerade dieses Verhalten andere, unbeteiligte Aktivistinnen, die einfach nur gegen einen Missstand öffentlich auftreten wollen, in große Gefahr bringt. Sei es durch „mitgefangen- mit gehangen“ Anzeigen- wie so oft gerade bei #nowkr Demos geschehen, oder gar durch körperliche Verletzungen ‚zwischen die Fronten geratener‘ (Flasche auf den Kopf- Stein am Schädel…)

    Das mit der „Presse“ Weste- keine schlechte Idee, komm ich mir halt noch ein wenig dämlicher vor wenn ich irgendwelchen Demos mit meiner zu groß geratenen Angeberkamera nachlaufe. Aber im Ernst: ich bin sehr wohl als Fotograf erkennbar, schleiche mich nicht an oder Fotografiere jemanden heimlich und ich bin glaube ich in der Lage zu erkennen wenn jemand überhaupt nicht fotografiert werden will. Jede Teilnehmerin (tausende?) extra zu fragen- nicht böse sein… Aber wie gesagt, wichtig darüber nachzudenken und nicht unüberlegt irgendwelche Fotos hochladen: eh‘ klar!

    Grundsätzlich finde ich NICHT dass (und ja, ich weiß was in den letzten Jahren, gerade am #nowkr, in punkto Behördenwillkür, Polizeigewalt und Repression los war) neuerliche Ausschreitungen, Gewalt und Repression herbei geschrieben werden sollten. Wie schon Roland Düringer letzte Woche sagte (die Hand soll mir für das Düringer Zitieren abfallen;-)): die Schlimmste Angst ist die vor dem was noch gar nicht passiert ist. (oder so ähnlich) Angst lähmt. Angst lässt einen den Glauben an sich selbst und das was man tut verlieren. Angst isoliert und ja, angst verbindet nicht, Angst spaltet. Ich will nicht zu oberlehrerhaft auftreten aber: ist nicht das Hauptanliegen von Repression Bewegungen zu lähmen, zu isolieren. Zu spalten und dadurch zu zerstören? Aus diesem Grund hielte ich es für viel wichtiger die Richtigkeit des Widerstandes, die Notwendigkeit eines Anliegens zu transportieren- und dadurch Stärke zu vermitteln, als Ängste vor möglicher Verfolgung (deren Existenz ich hier keinesfalls leugnen möchte) zu schüren.

    Daniel Weber

    • Am 25. Januar 2012 um 12:58 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich weiß nicht warum du von einem „verheimlichen“ sprichst. Steht ja im Absatz drinnen, nicht dezidiert, dass es bei Demos passiert, aber das sollte allen klar sein. Aber vielleicht sollte das noch genauer ausformuliert werden. .. Es ist aber kein Grund dafür zu sagen, die Cops filmen + fotografieren eh, haben eh ihr Material, somit kann ich ja eh meine Sachen auch online stellen. Das haben die ohnehin. So ists nunmal nicht weil dadurch wichtige Lücken für sie geschlossen werden können und immer noch die Frage besteht ob die Leute überhaupt wollen, dass Fotos von ihnen in der Situation online sind.

      @ Gewalt
      Hier eine Diskussion über Gewalt, Gewalt gegen Sachen (gibt es sowas?) zu führen sprengt denke ich den Rahmen. Aber wie du am Ende anführst versucht die Polizei durch Repression die Bewegung zu lähmen und vielleicht auch zu spalten.

      Ich denke es führt auch zu einer Spaltung wenn verschiedene Aktionsformen nicht akzeptiert werden. Wenn du dir historisch anschaust welche Aktionsformen in verschiedenen sozialen Kämpfen gegeben hat wirst du sehen es hat eigentlich überall verschieden radikale Zugänge gegeben. Und es wird auch verschiedene Aktionsformen brauchen um etwas zu verändern, sonst wird sich nichts ändern. Meine Meinung..

  5. Am 24. Januar 2012 um 9:55 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    obwohl ich dem inhalt voll und ganz zustimme hier noch zwei anmerkungen, einfach zum nachdenken..:
    zwei meiner videos konnten bis jetzt die unrechtmäßige verurteilung, verhaftung von zwei aktivist*innen belegen, eben weil(!) auch bei „action-content“ gefilmt wurde.
    es geht um die handhabung des materials und um die wahrnehmung der eigenen verantwortung dabei..

    oft bietet die dokumentation von verhaftungen und polizei auch einen gewissen schutz. insbesondere bei brutaler repression von bullen..
    ich empfehle allen aktivst*innen bei kontakt mit der polizei die camera/handy rauszuholen. oft reicht auch so zu tun als würde man filmen, ..
    !!die verantwortung liegt IMMER bei den medienaktivst*innen!!
    unverschlüsseltes material insbesondere auf internen festplatten ist schlicht dummheit und paktunfähigkeit.

    • Am 25. Januar 2012 um 12:42 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich hoffe das kommt nicht so rüber. Natürlich ist es total wichtig auch genau in solchen Situationen zu dokumentieren wenn es zu Polizeiübergriffen kommt. Die Frage ist dann nur wie mit dem Material umgehen. Falsch wäre meiner Meinung nach hier sofort alles online zu stellen, weil die Polizei sich dann ihre Story so zusammenbateln kann, dass es mit dem Video zusammenpasst. Wenn es zum Verfahren kommt ist es von Vorteil erst dann die Gegenbeweisen zu erbringen. Und hier gilt es natürlich mit der betroffenen Person abzuklären welchen Umgang sie sich wünscht!

      Mit der Rechshilfe insofern bei der Demo / Aktion involviert oder auch in der Nachbereitung wäre eine Vernetzung wegen der Materialien natürlich auch wichtig!

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