Dear Club2 Redaktion, dear „öffentlich-rechtliches“ Fernsehen…

Seit über 2 Monaten versuchen @fernseherkaputt (Account eines Fernsehkritikblogs) und ich rauszufinden warum wir von zwei ORF Redaktionen (@club_2 & @imzentrum) auf Twitter geblockt werden. Der Anfang dieser ganzen Farce hat wohl mit unserer Kritik an der Einladungspolitik der Sendung Club 2 zu tun. Ich versuche hier meine Kritik auszuformulieren und werde am Ende nochmal versuchen die einzelnen Puzzlestücke zusammenzuführen.

Wie Eva Herman den Fernseh Tod starb und im Club 2 wiederauferstand

Eva Herman wird wegen einer Verharmlosung des Nationalsozialismus vom NDR im September 2007 entlassen. Als sie ihre kruden Thesen im Oktober 2007 bei der Johannes B. Kerner verteidigen will, schmeißt der sie aus der Show. Die FAZ titelt dazu: „Wie Eva Herman den Fernseh Tod starb“. Herman arbeitet danach für den rechtsextremen Kopp Verlag und veröffentlicht dort auch ihre Bücher. Sie fällt 2010 abermals auf. Diesmal durch menschenverachtende Verschwörungstheorien, indem sie das Unglück bei der Loveparade (21 Tote) als gerechte Strafe interpretiert:

„Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“

Alles anscheinend kein Hindernis sie zum Thema „Politisch Über-Korrekt: Was darf man noch sagen?“ (9/2011) einzuladen. Peter Menasse, ebenfalls Gast der Sendung, fasste das Hauptergebnis der Sendung wie folgt zusammen: „Ich glaube, dass wir jetzt genug Bücher von Frau Herman verkauft haben“. Dass sie zu diesem Thema eingeladen wird ist eigentlich nur mehr schockierend. In welchem Umfeld sie in Deutschland mit offenen Armen empfangen werden würde: NPD nahe Gruppen können sich mit ihren Aussagen fast 100% identifizieren, die DVU wollte sogar eine Soli Demo für sie veranstalten. Das ging dann aber sogar Herman zu weit. Wäre es in Deutschland vorstellbar diese Frau zu irgendeiner Sendung einzuladen? Im Vorfeld der Sendung drückte Redaktionsmitglied Reisinger auf Twitter noch seine Freude aus, dass es ihnen gelungen sei Herman für die Sendung zu bekommen. Damals hatte ich auf Twitter ähnlich argumentiert und Hermans Einladung schockiert kritisiert. Diese Kritik war wohl der Ausgangspunkt für die spätere Blockierung.

Rechtsextreme im Fernsehen? Im ORF immer gern gesehen!

Am 25.1.2011 lädt der Club2 anlässlich des rechtsextremen WKR Balls 2011 in der Wiener Hofburg zum Thema „Rechtsextreme am Ball: Wie rechtsextrem sind die schlagenden Verbindungen, und wie weit reichen ihre Seilschaften?“. Hier wurde im Vorfeld u.a. auf Twitter abermals massiv Kritik an der Einladungspolitik geübt. Rechtsextreme Burschenschafter in der Vorzeige-Diskussionssendung? Die Diskussionsrunde bestand aus zwei schlagenden Burschenschaftern, Udo Guggenbichler (mit frischem Schmiss am Podium, Albia Wien / Arminia Graz) als WKR Ballorganisator und Wolfgang Jung (Albia Bad Ischl). Dazu setzen sie den FPÖ Parteihistoriker Lothar Höbelt, der bereits in einer Festschrift für David Irving (Hauptberufs-Holocaust Leugner) mitgeschrieben hat. Diesem perfekt abgestimmten Burschi-FPÖ Team werden gegenüber gesetzt: der greise Historiker Hans Magenschab, Jahrgang 1938, der selbst in einem Männerbund aktiv ist (K.A.V. Bajuvaria Wien). Weiters Gerhard Botz, Historiker und Professor am Institut für Zeitgeschichte. Für die IKG sitzt der damalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant am Podium und ist während der Sendung übelsten Anfeindungen der rechten Recken, vor allem von Jung ausgesetzt. Das Jung wie die meisten FPÖler sich an keinerlei Diskussionskultur hält und damit jede inhaltliche Diskussion verunmöglicht, war absehbar, da er bereits einschlägig in einer anderen ORF Sendung davor aufgefallen ist. Er wurde dennoch eingeladen und egal wie grenzüberschreitend seine Anfeindungen Richtung Muzicant waren – er wurde von der Moderatorin nicht zurechtgewiesen.

Die FPÖ konnte also ihre traditionelle Täter-Opfer umkehr zelebrieren. Der Mord an Ernst Kirchweger (KZ-Überlebender und Widerstandskämpfer), das erste politische Todesopfer nach 1945 (vom Nazischläger Gunter K. auf einer vom RFS angemeldeten Pro Borodajkewycz Demo erschlagen) wurde von Jung mit „Der unglücklich hingefallen ist auf die Straße!“ kommentiert. Jung, ehemals auch beim Heeresnachrichtenamt (militärischer Auslands-Geheimdienst), erzählte dann auch von seiner Involvierung bei Änderungen des Verfasssungsschutzberichtes, natürlich besonders bemüht im Bereich Linksextremismus. Die einzige am Podium vertretene Frau ist Eva Rossman als Moderatorin. Sie war aber leider unglaublich schlecht auf das Thema vorbereitet, sodass sie bei nahezu jedem inhaltlichen Einwurf einen Fehler machte, was der FPÖ/Burschi Phalanx neue Steilvorlagen lieferte. Anstatt die oftmalige deutschnationale Shoa-Relativierung zu unterbrechen, versucht Rossman mit „Das ist ein ganz spannendes eigenes Thema.“ das Drama in den nächsten Akt über zu leiten.

Und nochmals die Frage: Wäre es bei einem deutschen öffentlich-rechtlichen Sender denkbar, Leute wie Jung, Höbelt oder Guggenbichler auf ein Podium zu setzen? Eine derartige Täter-Opfer Umkehr in Kombination mit Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus, in einer der wichtigsten ORF Diskussionssendungen, zuzulassen? Ist das, was die Club 2 Redaktion unter journalistischer Ausgewogenheit versteht? Ich würde es eher als Bankrotterklärung des journalistischen Anspruchs bezeichnen.

..das Denken freier denn je sein müsste!?

Die Erstauflage des Club 2 (1976-1995) war tatsächlich eine tolle Diskussionssendung, die wohl den Vergleich im deutschsprachigen Raum nicht zu scheuen brauchte. Als ein Beispiel von damals möchte ich die Sendung von 1978 zum Thema 1968 mit Dutschke & Cohn-Bendit anführen. Die Neuauflage konnte leider überhaupt nicht ans Original heranreichen. In ihrer Selbstbeschreibung versuchen sie wie folgt da anzuschließen:

„Natürlich fühlt sich der „neue“ CLUB 2 dem „alten“ verpflichtet. [..] als erste Sendung dieser Art im deutschen Sprachraum wurde der Club „live“ (also unzensierbar) ausgestrahlt [..] In Zeiten des Internets, des Kabel-, Satelliten- und Handy-TV möchte man meinen, dass zumindest in unseren zivilisatorischen Breitengraden das Denken freier denn je sein müsste.“

Aus der Einsicht, dass dem nicht so ist, formulierte die Club 2 Redaktion den Anspruch Arena für das freie Wort und freies Denken zu sein. Dieses freie Denken hört für die neue Club2 Redaktion aber anscheinend da auf, wo ihre Sendung und Einladungspolitik kritisiert wird. Ich wurde direkt nach der Ausstrahlung, wie etliche andere linke Accounts, von @wernerreisinger wegen der Frage nach einer Antwort die er uns am Beginn der Sendung in Aussicht gestellt hat, blockiert.

Kurz nach der ORF-Promo Runde für den WKR wurde ich ebenfalls vom @club_2 Account auf Twitter blockiert, was für mich bedeutet, dass ich daran gehindert werde die Meldungen der Club2 Redaktion zu lesen. Die Club2 Redaktion blendet somit aktiv auf Twitter legitime Kritik aus. Als @fernseherkaputt mich darauf hinwies, dass er auch vom Club 2 Account blockiert wird und zustäztlich auch von Twitter Account @imzentrum, realisierte ich, dass ich auch von beiden blockiert werde. Um rauszufinden, wegen was wir blockierte werden, schrieben wir Mails an die Redaktionen (auf Twitter war es ja nicht mehr möglich nachzufragen). Mein Mail vom 23.9. blieb – wie einige weitere – bis zum heutigen Tag unbeantwortet.
Hier mein Mail (ein ähnliches hat auch @fernseherkaputt geschrieben >> siehe >> Zur Absetzung des Club 2):

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe vor längerer Zeit festgestellt, dass mein Account @porrporr von @Club_2 blockiert wird. Ich habe dann überlegt was für einen Grund das haben könnte. Die kritische Kommentierung der Einladungspolitik von Club2 kann meiner Meinung nach kein Grund sein meinen Account komplett zu blockieren. Oder gilt „Arena für das freie Wort und freies Denken“ nur für die Club2 Redaktion?

Würde mir eine Stellungnahme wünschen. mfg @porrporr“

Nachfragen bei Club 2 ModeratorInnen auf Twitter rissen irgendwann im Gespräch ab (Renata Schmidtkunz) oder wurden von Anfang an ignoriert (Peter Rabl). Auch Nachfragen via Mail ob unsere Mails denn angekommen seien werden seit 2 Monate ignoriert. Corinna Milborn war zum Zeitpunkt ihrer Anwort schon längere Zeit nicht mehr Moderatorin.

Auch der ORF Kundendienst hat nie darauf reagiert. Die Club 2 Moderatorin Corinna Milborn meinte auf unsere Frage diesbezüglich, dasss Anfragen „eigentlich immer“ beantwortet werden. Auf Twitter haben wir diesen Prozess über die ganze Zeit thematisiert und wohl auch einige Leute bereits damit genervt. Einige fanden es wohl übertrieben, dass wir so lange dran bleiben. Andere fanden es toll, dass wir uns nicht entmutigen lassen. Wir sind der Meinung, dass ein öffentlich rechtlicher Sender mehrere linke Twitter User_innen, wegen legitimer Kritik, am Diskurs be-hindert und somit von einem Teil des Sendungsangebots ausschließt. Dies wird während der gesamten Zeit auf Twitter von anderen Journalist_innen stillschweigend akzeptiert oder auch aktiv verteidigt (zb von Claudia Zettel). Müssen wir uns das einfach gefallen lassen? Kann eine ORF Redaktion, sich an der österreichischen Politik orientierend, einen Konflikt einfach schweigend aussitzen? Etliche Mails einfach ignorieren, viele Dutzend Tweets einfach ignorieren, ohne zumindest zu sagen wegen was wir blockiert wurden?

Die Nachfrage von Sigi Maurer brachte, über 1 Monat nach unserer Anfragen via Mail, schließlich ein paar wenige Infos ans Tageslicht. HC Voigt hat diesen Dialog mit dem treffenden Titel „Der private Club 2 Reisinger“ auf Storify konserviert: http://storify.com/kellerabteil/der-private-club2-reisinger. Meine Mails werden also „aus bestimmten gründen eben, die ich [..] nicht nennen muss“ ignoriert und gleiches gilt für meine Blockierung?  Davor wird mir aber „[..]kritik & verleumdung bzw beschimpfung“ unterstellt. Das bezeichne ich als eine Lüge und fordere Werner Reisinger auf, Belege für seine Behauptungen zu liefern. Nachdem Claudia Zettel in der gleichen Konversation Verständnis für seine Vorgehensweise bekundet, konkretisiert Reisinger sein journalistisches Verständnis mit: „im übrigen vor allem dann nicht, wenn es sich um anonyme personen handelt.“ (#wtf?) Wie er seinen Privataccount verwendet ist klarerweise seine Sache – im Unterschied zu einem Account, der zumindest vorgibt der offizielle Twitterkanal des Club 2 zu sein – auch dort hat er etliche linke AktivistInnen blockiert, mit ähnlichen unbelegten Behauptungen. Die restliche Club 2 Redaktion deckt dieses Vorgehen?

Unsere Fragen sind somit weiterhin unbeantwortet, warum werden zumindest 3 linke Accounts (@minihex, @fernseherkaputt & @porrporr) von Club 2 blockiert? Warum werden zwei linke Accounts (@fernseherkaputt & @porrporr ) auch von @imZentrum blockiert? Warum ignorieren beide Redaktionen und der ORF Kundendienst mehrere Mails von uns?

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3 Kommentare

  1. @Teconomix
    Am 14. November 2012 um 2:58 pm Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich wurde ebenfalls von @WernerReisinger geblockt, weil ich die Einladungspolitik des ORF beim CLUB2 nach dem WKR Ball am 25.1.2012 kritisiert habe.

    Es ist für mich nach wie vor völlig unverständlich, warum der ORF den rechten Recken und der FPÖ im Rahmen des WKR Balls so eine Bühne geboten hat. Die Medienstrategie der FPÖ ist nicht nur völlig aufgegangen, der ORF hat willfährig den Steigbügelhalter gespielt. Das war wirklich eine durch und durch beschämende Performance.

    Ich verweise auf die Kritik von fernseherkaputt, die fast das ORF-Drama dieser Tage gut zusammen: http://fernseherkaputt.blogspot.co.at/2012/01/osterreichs-medien-und.html

    Oder ein tweet von @vavoida vom 25.1.:
    @vavoida: Ösistan. Heutiger #club2 repräsentiert das Land. Umgang mit Geschichte & Fakten, Diskussionskultur, … #disgrace

    Die hier angesprochene Reaktion auf die mehr als nur berechtigte Kritik setzt dem ganzen nur noch die Krone auf. Was soll man von solchen Leuten noch erwarten? Traurig…

    lg
    Teconomix

  2. Martin Fischer
    Am 14. November 2012 um 10:22 am Uhr veröffentlicht | Permalink

    @mr_fischer wird ebenfalls blockiert

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